Baden bei Wien

"Haus der Neunten"

 

Das Haus, vormals Rathausgasse 94, gehört zweifelsohne zur ältesten bewohnten Bausubstanz Badens. Es war seit jeher ein Handwerkerhaus, das im 18. und eingangs des 19. Jahrhunderts mit einer großzügigen Grünanlage, dem "Kupferschmiedischen Garten", verbunden war. Dieser war ein begehrtes Ziel für den täglichen Spaziergang, da ein mechanisch versierter Hauseigentümer dort kunstvolle Wasserspiele installiert hatte. Aus 1766 wird ein Besuch der Kaiserin Maria Theresia mit Josepha, der Gemahlin Josefs II., in diesem Garten erwähnt.

Beethovens Logisgeber war hier im Spätsommer 1821 der Kupferschmied Johann Bayer und zwar ebenso wie 1822 und 1823. Das Logis im I. Stock gliederte sich in Vorraum, Schlafzimmer und Arbeitszimmer.

Beethoven tat sich mit den Vermietern wegen seines ständigen Musizierens schwer. So war er stets in Sorge, ob er überhaupt in Baden noch einen willigen Hausherrn - er bewohnte hier während seiner rund 15 Aufenthalte von 1804 bis 1825 mindestens sieben Häuser - finden würde. So soll er 1821 im benachbarten Gasthaus "Zum schwarzen Adler" beim Essen vom freien Quartier in der Rathausgasse 94 erfahren haben. Sofort stürzte er los, um sich das Mietrecht zu sichern. Der geprellte Wirt ließ ihn polizeilich festnehmen; erst beim Verhör im Rathaus klärte sich die Identität Beethovens auf.

Anfang September 1822 musste er wieder "zur Cur" nach Baden. Neben anderen Wohnungen nahm er auch die gegenständliche. Er schrieb öfters Rechnungen sowie Einfälle auf die dünnen ungehobelten Fensterflügel aus Lindenholz. Am 13. August 1823 nun, als Beethoven Hals über Kopf aus Wien flüchtete, um in Baden seine 9. Symphonie zu vollenden, weigerte sich der Kupferschmied beharrlich, ihn aufzunehmen. nach zweimaliger Intervention seines Sekretärs Schindler beim Hausherrn gab dieser wohl nach, jedoch musste Beethoven neue Fensterläden bezahlen: der alten hatte der geschäftstüchtige Handwerker brettweise an eifrige "Souvenir - Sammler" verkauft.

In diesem Haus wurde Beethoven auch 1823 von Carl Maria von Weber besucht. Auch Helmine von Chézy, die Librettistin der Schubert´schen "Rosamunde", wohnte im Haus zur selben Zeit.

Das alte Handwerkerhaus (zuletzt Bäckerei) wurde von der Stadt Baden 1962 übernommen und mit Hilfe des Kulturreferates der Niederösterreichischen Landesregierung ein Teil zu einer Gedenkstätte ausgestaltet.

Beethoven arbeitete in diesem Haus:

1821: an der Missa solemnis und den Kanons "O Tobias" und "Gedenket heut an Baden"

1822: an der 9. Symphonie, der Ouverture "Zur Weihe des Hauses" und dem kanon "Kühl, nicht lau" (für F. Kuhlau)

1823: Vollendung der 9. Symphonie